Sepp's Worldblog

11. Februar 2006

Winterurlaubsfreuden

Abgelegt unter: Allgemein — admin @ 01:05

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schnee satt, temperaturen im zweistelligen minusbereich, viel sonne, ferienwohnung am ortsrand direkt an feld und wald. was will man mehr? winterfeuden im bayerischen wald! viel wandern und abwechselnd auf die langlaufbretter. herder’s sepp ist noch nicht so ganz loipentauglich. er will seine herde zusammenhalten und treibt nicht nur die seinigen durch die spur. bisweilen versuchte er hinterrücks auf den skiern mit zu fahren, durch die beine zu spurten, um plötzlich stehen zu bleiben. wie schon geschrieben, dann nur abwechselnd geskatet. hunde sind sowieso in der präparierten loipe verboten…

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also hielt sepp sein urlaubsrevier durch’s wohnküchenfenster im auge, um sofort zu melden, wenn sich etwas tat. im zweifelsfall musste er natürlich sofort raus, um nach dem rechten zu sehen…

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da die wichtigen dinge alle unter einer meterhohen schneedecke verborgen waren, musste im akkord gegraben werden.

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auch die auf- und absprungtechnik vom präparierten weg in die wildnis und zurück in die zivilisation wurde verbessert.

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auch das bayernwäldsche glaskunstwerk erregte durchaus sepp’s interesse.

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wobei balgereien im schnee doch erfrischender waren!

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auch ein stock bietet immer wieder etwas abwechslung.

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bohrgraben und spuren verfolgen standen hoch im kurs.

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eher trifft man im bayerischen wald auf einen aus tschechien eingewanderten wolf, als auf einen, beim entfernten sehen eines herders, noch freilaufen dürfenden hund zum gemeinsamen spiel. haben wir es durch sepp’s bekanntheitsgrad zu hause auf ca. 50% der hundebegegnungen geschafft, schlug uns im südöstlichen menschenarmen naturpark zu bestimmt 95% teils hysterisch ängstliche hunde(fest)halterabwehr entgegen. alles, was gerade noch frei lief, wurde hektisch gerufen und an die kurze leine gebannt. selbst von uns aus freundliche nachfragen wurden oft durch teils absurde, teils auch lustige argumente negiert. „ich will doch im urlaub nicht zum tierarzt!“ (bepelzte frau in bodenmais), „unser knurrt immer so…“ (fast weinendes ehepaar, dass sich todesmutig zwischen sepp und ihren königspudel postierte), „der verträgt keine dominaten zeichen“ (lodenberockter schnauzerführer)…
da waren wir doch froh, als wir einen betagten altbauern mit seinem auch noch jungen vierbeiner trafen, der sogar noch einmal den ganzen weg mit uns zurück ging, damit die hunde gemeinsam spaß haben konnten. „jo dös soll schoa therapeutisch guat soan for die hund…“ (oder so ähnlich)

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in bezug auf hundebegegnungen schloß sich erfreulicherweise ein feiertag für sepp und uns an! zwar trafen wir kurz nach unserem morgendlichen aufbruch auf zwei in 300 metern entfernung schnell angeleinte schäferhunde mit lautstarker aufforderung sepp an die strippe zu legen, aber da wir das spielchen schon gewohnt waren, so what…
weiter ging’s aneinander vorbei, wobei gegenseitiges freundliches interesse unter den hunden trotz des hinweises auf deren gefährliche unberechenbarkeit nicht zu übersehen war. nach einer einsamen halben stunde durch den tief verschneiten wald, die durch ein paar spurenverfolgungen nicht uninteressant war, erspähten wir in der ferne eine dame mit vierbeinigem begleiter in sepp’s größe und gewichtsklasse. als wir beim näherkommen sahen, dass wie so oft die leine gezückt wurde und das paar sich in eine nische neben dem weg zurückzog, atmeten wir wieder tief durch und stiefelten weiter. doch diesmal führten zu unserer freude ein paar freundliche begrüßungsworte zu einer netten bekanntschaft, die später sogar zu einer einladung zum gemütlichen kaffee in einem wunderschönen einsamen alten bayerischen haus führte. also, langer rede – kurzer sinn, der australian shepherd hatte schon einmal schlechte erfahrungen mit schäferhunden gemacht und da der weg an der stelle vereist war, hatten sich die beiden in den trittsicheren schnee zurück gezogen. als wir dann sepp’s freundliches wesen beteuerten, konnten sich die zwei hetzen und im schnee toben, bis wir mit unserer plauderei über futter, erfahrungen, wanderwege und, und, und, fertig waren…

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aber da der tag noch jung war und wir noch weiter wollten, trennten sich nach einer verabredung unsere wege, um weiter über die höhenrücken zur burgruine altnußberg zu gelangen. das verschachtelte gemäuer bot sich besonders für suchspiele an…

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weiter ging’s den berg hinab durch oberleiten, einer kleinen hofgemeinschaft, auf dem wanderweg nr.2. da freilaufende hühner und katzen nicht zu übersehen waren und bisweilen auch grantige hofhunde auf etwas unterhaltung warten, nahmen wir auch mal sepp sicherheitshalber an die lange leine. kaum hatten wir die erste scheune passiert, präsentierte sich ein, wie sich später noch herausstellte, ca. 60kg-berner sennenhund-superschwergewicht in den weg. da für sepp in diesem moment weder sich in scheunenlöchern sonnende und interessiert zuschauende katzen noch federvieh von irgendwelchem belang waren und wir, auch für unsere sicherheit, auf seine schnellig- und wendigkeit setzten, war er gleich wieder befreit, sein glück zu versuchen. und los ging’s…

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… erst mal den eindringling abdrängen…

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…dann auf’s freie feld…

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…aus dem dorf jagen…

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…entlastungsangriff starten…

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…schneid abkaufen…

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… und sich arrangieren.

der berner begleitete uns aus der bauernschaft, querte mit uns die landstraße und kehrte mit uns wieder um, da der von uns ausgesuchte rundweg wegen hoher schneeverwehungen nicht weiter zu begehen war. na ja, dann bringen wir ihn eben wieder nach hause, denn wir wunderten uns schon, dass er so weit sein ressort unbewacht verlassen hatte. wieder an den interessierten samtpfoten und den scharrenden hühnern vorbei und durch den tiefen schnee den weg zur burgruine hinauf.

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berni schnaufend mit und für einen pferdeäpfelzwischensnack dankbar.

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was ist die beste taktik für einen bantam- gegen einen schwergewichtler?
geschickt ausweichen und im laufe der zeit von der aufkommenden müdig- und kurzatmigkeit des muskelprotzes profitieren…

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nach gut einer stunde und weit vom heimathof entfernt, drehte sepp den spieß um und zeigte keine hemmungen mehr. uns waren seine demütigungen fast schon peinlich, aber unter hunden gibt’s wohl andere regeln…

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nach einer weiteren stunde, berni dachte gar nicht daran umzukehren – wahrscheinlich war er schon so geschwächt, dass er sich den langen rückweg nicht mehr zutraute –  kam unsere ferienwohnung in sicht. was nun? wir hatten schon, so aus spaß, darüber nachgedacht, was wir nun mit zwei hunden machen. und dann kam die stunde der wahrheit. wir standen vorm haus, berni lag fertig langgestreckt auf allen vieren verdurstend schneefressend auf dem verschneiten feld und schaute uns fragend an. also ihm sepp’s leine angelegt und zum heckaufgeklappten kangoo geführt. da sepp das alles nicht so recht einordnen konnte, musste er schon mal mit marina zum kaffee brühen ins haus. und ich versuchte den völlig erschöpften hofhund auf die laderampe zu bekommen. alleine schaffte er es nicht mehr und ich musste ihn wie einen nassen sack hinauf hiefen. da wachsen kilos  zu zentnern. geschafft! klappe zu, karte raus und nachgeschaut, wie ich zu seinem hof komme. als ich einbog und nach dem anhalten die klappe wieder öffnete, kam mir schon eine ältere bäuerin entgegen und fragte den schläfrigen bewacher, wo er denn jetzt wieder her käme.

es stellte sich heraus, dass solche ausflüge keine seltenheit waren und er bis jetzt immer wieder zurück gebracht worden sei. was für ein leben?!! ist doch was anderes, als das kettenhundedasein eines weißen riesen auf dem hof hier um die ecke…

gerade ist mir bei den bildern aufgefallen, dass beide hunde von fell und zeichnung her fast zwillinge gewesen sein könnten. es lagen halt nur 30kg dazwischen…

10 tage starker frost bei klarem himmel hinterlässt auf den begehbaren trampelpfaden seine spuren. unwillkürlich summte ich bei jedem gang irgendwann frank zappas eskimo-kinder-lehrsong vom nicht zu essenden yellow snow auf den wegen where the huskies go.

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Dreamed I was an Eskimo
Frozen wind began to blow
Under my boots and around my toes
The frost that bit the ground below
It was a hundred degrees below zero…

And my mama cried
And my mama cried
Nanook, a-no-no
Nanook, a-no-no
Don’t be a naughty Eskimo
Save your money, don’t go to the show

Well I turned around and I said „Oh, oh“ Oh
Well I turned around and I said „Oh, oh“ Oh
Well I turned around and I said „Ho, Ho“
And the northern lights commenced to glow
And she said, with a tear in her eye
„Watch out where the huskies go, and don’t you eat that yellow snow“
„Watch out where the huskies go, and don’t you eat that yellow snow“

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aber dann hatte der wettergott einsicht und bescherte uns für die restlichen vier tage täglich 50cm deckneuschnee, der in seiner masse den bayerischen wald in ein katastrophengebiet verwandelte.
nachdem mehrere lagerhallen, schulen und supermärkte durch die schneedachlast zusammengebrochen waren, bereinigten unzählige dachräumkommandos die prekäre lage. in unserer urlaubszeit gab es in der umgebung dabei mehrere schwerverletzte und einen toten nach einem 15-meter sturz durch eine brechende lichtluke.

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ab sofort musste marina zu ihrem eigenen schutz die einkäufe alleine bewältigen, damit im unglücksfall sofort ihr persönliches such- und rettungsteam im einsatzfahrzeug zur verfügung stand…

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die restlichen tage verbrachten wir noch mit tiefschneestampfen und relaxen in der gemütlichen warmen stube. alles in allem ein erholsamer winterurlaub im einsamen bayerischen wald ohne viel schnickschnack mit natur bis zum abwinken. so – oder so ähnlich hatten wir’s uns vorgestellt.

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gut wieder im heimatlichen alltag angekommen träumt sepp in bequemster lage von seinen erlebnissen oder vielleicht schon wieder vom nächsten urlaub…

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